Am 13. April ist Hans-Jürgen Eichbladt im Alter von 79 Jahren nach langer, schwerer Krankheit zu seinem Herrn im Himmel gegangen. Mit seiner Frau Ingrid und seiner Familie trauern wir um einen Menschen, der die Gefährdetenhilfe SCHEIDEWEG seit ihren Anfängen auf ganz besondere Weise geprägt hat. Mit Hans verlieren wir nicht nur einen engagierten Mitstreiter, sondern einen Menschen, der mit seinem Glauben, seiner Hingabe und seiner Persönlichkeit viele von uns tief berührt hat.
Hans’ eigene Lebensgeschichte brachte ihn schon früh mit Menschen aus kriminellen Milieus in Berührung. Im Alter von 26 Jahren lernte er Jesus Christus kennen – ein Wendepunkt, der sein ganzes weiteres Leben geprägt hat. Aus dieser Begegnung wuchs ein Dienst, der sich über mehr als vier Jahrzehnte erstreckte: in Hückeswagen-Scheideweg, in Gefängnissen, in Wohngemeinschaften, auf Reisen und in zahllosen persönlichen Begegnungen. Schon früh begann sein Dienst im Jugendgefängnis Siegburg. Bald darauf wurde der Verein der Gefährdetenhilfe gegründet, und Hans und Ingrid waren von Anfang an mit ganzem Herzen dabei.
Gemeinsam mit Ingrid, ihrer Tochter Siaida und dem Familienhund öffnete Hans sein Zuhause für junge Männer, die frisch aus dem Gefängnis entlassen worden waren. Ab 1978 leitete er mit seiner Familie die erste Wohngemeinschaft in Scheideweg – ein Haus mit offener Tür, offenem Herzen und Platz für viele Menschen, die Hilfe, Orientierung und Annahme suchten. Später begleitete er weitere Wohngemeinschaften und Arbeitsbereiche des Projekts „Hoffnung für viele“. Auch in der offenen Teestubenarbeit war Hans für viele ein vertrautes Gesicht und ein verlässlicher Ansprechpartner.
Wer Hans begegnete, spürte schnell, dass hier jemand mit großer innerer Klarheit und zugleich mit viel Barmherzigkeit lebte. Mit seinem Wissen über Geschichte, Kultur, Sport und Politik konnte er Gespräche bereichern, Menschen zum Nachdenken bringen und immer wieder Brücken bauen. Er war klug und humorvoll, ermutigend und direkt, leidenschaftlich und zugleich seelsorgerlich zugewandt. Ob Jugendliche, Frauen und Männer in den Gefängniskontaktgruppen, Bewohner der Wohngemeinschaften, Nachbarn in Wiehagen, Mitstreiter in der interkulturellen Sportarbeit oder Menschen in Ostdeutschland nach der Wende – Hans hatte einen Blick für den einzelnen Menschen. Er war sich für nichts zu schade. Gerade deshalb konnten sich so viele an ihm aufrichten.
Die Wege der Gefährdetenhilfe führten Hans auch weit über Deutschland hinaus. Reisen in Gefängnisse nach Kenia, Indien, Burjatien und in die Mongolei öffneten neue Türen. Mit großem Herzen, Ausdauer und echter Anteilnahme setzte er sich dort dafür ein, die Situation von Gefangenen zu verbessern und den Aufbau lokaler Gefährdetenhilfe-Vereine zu unterstützen. Er begegnete Menschen nicht von oben herab, sondern auf Augenhöhe – mit Respekt, Ernsthaftigkeit und dem Wunsch, ganz praktisch zu helfen.
Hans war ein Mensch mit großer Energie. Langeweile und Hans passten wirklich nicht zusammen. Und doch gehörten zu seinem Leben nicht nur Aktivität und Einsatz, sondern auch die stillen Zeiten mit Jesus, das Nachdenken über die Bibel und die Suche nach geistlicher Tiefe. Vieles von dem, was ihn innerlich bewegte, fand später Ausdruck in Predigten und persönlichen Worten, die viele von uns bis heute nicht vergessen haben.
Im Jahr 2004 übernahm Hans von Friedel Pfeiffer den Vorsitz der Gefährdetenhilfe. Es war eine herausfordernde Zeit des Umbruchs und der Neuausrichtung, die ihm noch einmal viel Kraft abverlangte. Mit großem Verantwortungsbewusstsein trug er diese Aufgabe und gab den Staffelstab 2011 weiter. Gemeinsam mit Ingrid zog er später nach Köln zu den Kindern, bevor ihn seine Erkrankung im Jahr 2024 über den Schwarzwald wieder zurück nach Hückeswagen führte.
Wie viel kann ein Mensch geben? Wie viel Freude, Schmerz und Last kann ein Herz tragen, wenn seelsorgerliche Arbeit nicht nur Aufgabe, sondern gelebte Wirklichkeit ist? Das Chor-Musical „Bastard“ aus dem Jahr 2004 griff Hans’ Lebensgeschichte auf und ließ etwas von der Tiefe und auch der Schwere seines Weges erahnen. Denn so reich sein Leben an Hingabe, Liebe und Einsatz war, so leicht war es nicht. Und doch hat Hans sein Leben mit außergewöhnlicher Treue für Jesus und für die Menschen gelebt. Dafür sind wir von Herzen dankbar.
Bei aller Traurigkeit über seinen Abschied sind wir auch dankbar, dass Hans nun bei Gott ausruhen darf – frei von Schmerz, frei von Krankheit, frei von offenen Fragen. Er ist am Ziel seines Glaubens angekommen, in der Gegenwart seines Herrn, dem sein Leben gehörte.
Wir erinnern uns in großer Dankbarkeit an die gemeinsame Zeit mit Hans
und wünschen seiner lieben Frau Ingrid allen Trost, Frieden und Geborgenheit bei Gott.
Vorstand und Mitarbeiter der Gefährdetenhilfe SCHEIDEWEG e. V.
