In Kriegs- und Krisengebieten leiden Gefangene besonders, was kaum Beachtung findet.
London (2mind) – An jedem Tag eines Jahres sitzen etwa 11,7 Millionen Menschen weltweit in Gefängnissen, darunter 260.000 Kinder. Das teilt die Organisation „Penal Reform International“ in ihrem nun vorgelegten Bericht „Global Prison Trends 2026“ mit. Gefängnisse operieren nicht in einem Vaccum, so der Bericht. Gerade in den immer zahlreicheren Konfliktgebieten und politisch instabilen Regionen geraten Gefängnisse unter Druck – durch verringerte Budgets, wachsende Gefangenenzahlen und verschlechterte Haftbedingungen. „Gefangene tragen die schwerste Last“, so der englischsprachige Text.
Das sind wesentliche „Global Prison Trends 2026“:
- Die weltweite Gefängnispopulation ist auf 11,7 Millionen gestiegen, was angesichts von Überbelegungen und langer Untersuchungshaftzeiten schwerwiegende Probleme für die Inhaftierten verursacht.
- Hohe Inhaftierungsraten, geringe Resozialisierungserfolge und Korruption im Gefängniswesen untergraben vielerorts das öffentliche Vertrauen in den Rechtsstaat.
- Nichtregierungsorganisationen (NGO) verstärken weltweit den Fokus auf eine menschenzentrierte Sprache im Strafjustizbereich, um einer entmenschlichenden Sprache entgegenzuwirken. Allerdings bleiben die Fortschritte im Gefängniswesen hinter denen in anderen gesellschaftlichen Bereichen zurück.
- Bewaffnete Konflikte beeinträchtigen Justizsysteme und Gefängnisse schwer, Gefangene bleiben gegenüber Gewalt und Missbrauch schutzlos. Dieser Umstand wird häufig übersehen.
- Alternativen zu freiheitsentziehenden Sanktionen gewinnen weltweit an Bedeutung, jedoch bleiben ihre Umsetzung und Finanzierung oft unzureichend.
- Gesetze kriminalisieren weiterhin benachteiligte Gruppen wie Obdachlose, LGBTQI+-Personen und wirtschaftlich Marginalisierte, was Ungleichheit verstärkt.
- Gewalt ist innerhalb von Gefängnissen weit verbreitet und wird durch Überbelegung, organisierte Kriminalität und Instabilität weiter verschärft.
- Netzwerke der organisierten Kriminalität nutzen die Schwächen in Gefängnissystemen, um ihre Macht und Aktivitäten auszuweiten.
- Obwohl die globale Abschaffung der Todesstrafe Fortschritte macht, steigt die Zahl der Hinrichtungen in Staaten, die daran festhalten.
- Die Zahl der lebenslangen Haftstrafen nimmt weltweit zu, während zugleich Forschungsergebnisse die Bedeutung von Hoffnung und der Möglichkeiten zur Entlassung betonen.
- Etwa 259.000 Kinder befinden sich weltweit in Haft, wobei marginalisierte Gruppen überproportional betroffen sind.
- Die Gesundheitsversorgung in Gefängnissen ist chronisch unterfinanziert, was die Gesundheit von Millionen Menschen gefährdet.
- Gefängnisse beherbergen zunehmend Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen, doch deren Betreuung und Versorgung bleiben unzureichend.
- Drogenkonsum ist in Gefängnissen weit verbreitet, wobei Maßnahmen zur Schadensminderung in vielen Ländern fehlen.
- Gefängnissysteme kämpfen weltweit mit Personalmangel, unsicheren Arbeitsbedingungen und der Überlastung ihres Personals.
- Resozialisierung und Wiedereingliederung bleiben zentrale Ziele der Gefängnispolitik, doch Barrieren wie die Stigmatisierung von Haftentlassenen oder fehlende finanzielle Ressourcen erschweren ihre Umsetzung.
- Der Einsatz moderner Technologien – etwa von Telemedizin oder Künstlicher Intelligenz – in Gefängnissen bietet Chancen, wirft jedoch ethische und menschenrechtliche Fragen auf. Der schnellen Verbreitung dieser Technologien steht eine unzureichende Reflexion der Risiken gegenüber, was Anlass zur Sorge gibt.
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Die NGO Penal Reform International (PRI) wurde 1989 in London gegründet und setzt sich weltweit für eine diskriminierungsfreie Gestaltung der Strafjustizsysteme und den Schutz der Rechte benachteiligter Menschen ein.
Der Bericht „Global Prison Trends 2026“ (englisch) > als PDF zum Download