
Ich war im Gefängnis, und ihr habt mich besucht.
Wie viele Menschen können das wohl sagen?
Lässt sich das in Zahlen überschlagen?
nach inzwischen mehr als 50 Jahren?
Wie viele Besuche das wohl insgesamt waren?
Wie viele Menschen haben wir erreicht?
Hunderte, Tausende vielleicht?
Wenn man heute mit damals vergleicht,
dann hat sich vieles seitdem getan.
Und alles fing ganz einfach an
mit Besuchen im Gefängnis.
Ich war im Gefängnis, und ihr habt mich besucht.
Das sagen nicht nur lauter Leute von heute.
Das hat Jesus gesagt. Und ich hab‘ mich gefragt,
was wollte er damit sagen?
Haben wir Jesus im Knast etwa persönlich getroffen?
Nun, ich sage ganz offen,
dass die Männer und Frauen, die wir erreichen,
auf den ersten Blick Jesus nicht gleich gleichen,
Und doch heißt es,
wir sind Jesus persönlich begegnet,
Ja, wir wurden außergewöhnlich gesegnet.
mit guten Gesprächen, mit Offenheit:
So viel wertvolle Zeit hinter den Mauern.
Ich war im Gefängnis, und ihr habt mich besucht.
Und es ist nicht nur bei den Besuchen geblieben.
War unsere Spur vielleicht etwas übertrieben?
Wir sind weitergegangen,
und vielleicht gingen wir etwas zu weit,
haben angefangen, mit der Zeit
Menschen aufzunehmen, in ihren Problemen
für sie da zu sein. Wir luden sie zu uns ein,
öffneten Häuser und Familien, bauten Immobilien,
teilten unser Zuhause, haben ohne Pause gearbeitet,
Menschen intensiv begleitet.
Wir sind dran geblieben, 24/7
haben pralle Programme auf die Beine gestellt.
Wie reisten durch die halbe Welt
arbeiteten oft nur für ein Taschengeld,
machten tolle Projekte; wirklich innovativ
erstellten Hochglanzprospekte, waren konstruktiv
voller Energie und Euphorie: Doch irgendwie
haben wir uns dabei zum Teil übernommen,
und am Ende sind nicht alle mitgekommen.
Ja, mancher ist auf der Strecke geblieben:
Und manches war doch etwas übertrieben.
Nun, damals war eine andere Zeit.
Da war man vielleicht eher bereit;
alles zu geben, das ganze Leben zu investieren,
sich hundertprozentig zu engagieren
Und so ein Wort wie: Work life balance
kannten wir damals noch nicht;
Aus heutiger Sicht gibt’s viele offene Fragen.
Wir haben die Kosten nicht überschlagen.
Ehrlicherweise müssen wir heute sagen:
Es lief nicht alles richtig.
Und doch ist diese Arbeit immer noch wichtig,
weil Gott diese Arbeit für wichtig hält.
Er schickt uns bis ans Ende der Welt,
zu den Menschen, die aus dem Blickfeld
geraten sind. Denn Straftaten sind kein Grund, um die Menschen im Knast zu vergessen.
Stattdessen betonte Jesus ausdrücklich:
Wenn ihr ins Gefängnis geht,
macht ihr mich glücklich,
dann sprecht ihr nicht nur mit der einen Person:
Das Gespräch hat eine viel weitere Dimension,
dann besucht ihr mich, Jesus, obendrein;
dann dürft ihr mit mir auf Augenhöhe sein.
Ich war im Gefängnis
und ihr habt mich besucht,
indem ihr zu denen gegangen seid,
die ein Stück Lebenszeit hinter Mauern verleben:
zugegebenermaßen manche schräge Gestalten,
mit oft einschlägigem Verhalten.
Vieles ist mir inzwischen sehr vertraut:
die Kontrolle an der Pforte,
das Checking in und Checking out:
die langen Gänge, die bedrückende Enge
Stahlbeton, Knastjargon, rauer Ton,
die Ganze Situation
all das blende ich unbewusst aus.
Manchmal fühle ich mich fast
im Knast wie zu Haus;
geh als Gast ein und aus;
darf jedes Mal wieder raus.
Ja tatsächlich
manchmal, wenn ich im Gefängnis bin,
vergesse ich, dass ich im Gefängnis bin.
Ich entsinn‘ mich an so viele gute Momente,
in denen ich das Gefängnis Ambiente
um mich herum völlig vergaß,
als ich Menschen gegenübersaß,
und anfing, sie in besonderer Weise zu sehen
und vielleicht ein Stück weit zu verstehen,
was Jesus wohl meinte, als er sagte:
ich war im Gefängnis und ihr habt mich besucht.